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TCM

Die Fünf-Elemente-Lehre für unsere Hunde

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2016 – wurde bisher aber noch nicht veröffentlicht. Ich habe ihn zufällig gefunden und möchte ihn heute mit Dir teilen.

Heute wage ich mal einen Ausflug mit Dir in ein mir unbekanntes Terrain. Die traditionelle Chinesische Medizin (TCM).

Zur TCM habe ich ein schwieriges Verhältnis. Das liegt einerseits daran, dass es mir kulturell fern ist und andererseits habe ich große Probleme mit manchen Behandlungen (Tigerpenis gegen Impotenz? Im Ernst?). Es wird nicht leichter durch die Literatur zur TCM. Ob das nun eine kulturelle oder eine Übersetzungsfrage ist, mir begegnet hier häufig ein Absolutheitsanspruch, bei dem ich schnell bockig werde.

Fünf-Elemente-Lehre der TCM

In einem Buch über Hundeernährung entdeckte ich ein Kapitel zur Fünf-Elemente-Lehre der TCM. Die Theorie besagt, dass zu einer bestimmten Jahreszeit einige Organe besonders aktiv sind und sich entsprechend in dieser Jahreszeit verstärkt Symptome zeigen. Da mit Symptomen nicht nur große, sondern auch kleine Anzeichen gemeint sind, wäre diese Theorie ein weiterer Baustein für mich zur Prävention von Krankheiten. Die Theorie bietet die Chance, aufmerksam und achtsam zu sein und bestimmte Organsysteme im Blick zu behalten.

Ich würde mich freuen, wenn Du mit mir diesen kleinen Ausflug in ein anderes Denkkonzept unternimmst.

Mein Hund Jamie erkrankte am 01.01.2016 an Nierenversagen, am 12.03.2016 starb er.

Die Zeit seiner Krankheit entspricht nach der Fünf-Elemente-Lehre genau der Organzeit Niere.

Andere beschriebene Symptome hatte er schon vorher, wie zum Beispiel dunkler Schlaf in den Augeninnenwinkeln und schwärzliche Absonderungen in den Ohren. Auch hat er sich ganz langsam hinter den Ohren gekratzt und dabei laut gegrunzt. Seine Schnauze rieb er abends häufig über den Teppich. Am hinteren Rücken war er berührungsempfindlich. Wenn jemand Fremdes an sein Hinterteil kam, scheute er weg. Er hatte Schwierigkeiten Gelerntes zu behalten. Er war sehr überdreht und hat gerne hysterisch gebellt.

Wäre mir die Fünf-Elemente-Lehre schon eher über den Weg gelaufen, hätte ich seine „Eigenheiten“ vielleicht anders eingeordnet. Möglicherweise hätte ich mich erinnert, so etwas schon mal als Symptom gelesen zu haben und ich hätte seine Blase und Nieren überprüfen lassen können. Vielleicht hätte das meinen Hund gerettet, vielleicht aber auch nicht. Das werde ich nicht mehr herausfinden.

Nur, weil dein Hund ein paar Anzeichen hat, heißt es noch nicht, dass er krank werden wird. Sie gibt Dir einen Anhaltspunkt. Eine Chance hinzuschauen wo vielleicht Probleme kommen könnten.

Die Fünf-Elemente-Lehre – eine kurze Übersicht

Die Fünf-Elemente-Lehre ist eine daoistische Theorie, die unter anderem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu finden ist. Grundsätzlich soll in der TCM alles in Balance sein. Sie benennen dafür zwei gegensätzliche Energien, Yin und Yang. In der TCM wird davon ausgegangen, dass alles in Yin und Yang eingeteilt werden kann und die Kräfte zu- und abnehmen wie Ebbe und Flut. Wenn das Spiel dieser Kräfte aus dem Gleichgewicht gerät können Krankheit entstehen.

Auch die inneren Organe werden Yin und Yang zugeordnet und bilden so ein Paar. „Feste“ Organe werden „hohlen“ Organen zugeordnet. Als Beispiel soll die Leber mit der Gallenblase und das Herz mit dem Dünndarm verbunden sein.

Durch Beobachtung kamen die Chinesen zu dem Schluss, dass es eine direkte Verbindung zwischen den Jahreszeiten und verschieden Krankheiten geben müsse. Die Elemente, die Jahreszeiten und der menschliche Körper wurden gedanklich verbunden und die Theorie aufgestellt, dass alles einander beeinflussen würde.

Die fünf Elemente und die zugeordneten Organe

Der Frühling gehöre zum Element Holz, das Qi (Energie) sei in der Leber und der Gallenblase am stärksten.

Der Sommer wird symbolisiert durch das Element Feuer, das Qi befinde sich im Herzen und im Dünndarm.

Der Herbst wurde mit dem Element Metall assoziiert, das Qi sei in den Lungen und dem Dickdarm.

Der Winter gehöre zum Element Wasser, das Qi befände sich nun in den Nieren und der Blase.

Zwischen den Jahreszeiten:
Die Jahreszeiten gehen in der TCM nicht direkt ineinander über. Es gibt immer zwei Wochen zwischen den Jahreszeiten, die mit dem Element Erde assoziiert werden und wo sich das Qi im Magen und der Milz befinden soll.

In ihrer Jahreszeit sei die Energie in den zugeordneten Organen am höchsten, sodass sich mögliche Probleme schneller und intensiver zeigen würden als im restlichen Jahr. Auch hätte der Patient eine bessere Chance auf Heilung, wenn man eine Krankheit in ihrer entsprechenden Organjahreszeit behandele. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass sie einem armen kranken Patienten in der TCM nicht sagen, dass er mit der Behandlung bis zum nächsten Frühjahr warten müsse, weil da die Behandlung besser anschlagen würde… J

Ich kann mir jedoch gut vorstellen, einen Organkomplex, der möglicherweise am ehesten von Krankheit betroffen ist, in der entsprechenden Zeit vorsorglich zu unterstützen. Hier schließt sich für mich dann gedanklich auch ein Kreis zu der mir näheren westlichen Medizin. Das Frühjahr zum Beispiel steht nach der Fünf-Elemente-Lehre im Zeichen der Leber und der Gallenblase. Der Winter im Zeichen der Niere, wobei Winter hier bis Anfang März geht. Aus unserer Tradition kenne ich im März und April Entgiftungs- und Entschlackungskuren, die Leber und Niere stärken.

Die Fünf-Elemente-Lehre schlägt die folgenden Geschmacksrichtungen zur Stärkung vor:

Frühling – sauer schmeckendes Essen

Sommer – bitteres Essen

Herbst – scharfes Essen

Winter – salziges Essen

Zwischensaison – süßes Essen

TCM beim Hund

Ich versuche nun Dir tabellarisch vorzustellen, welche Punkte in der TCM mit der jeweiligen Jahreszeit verbunden sind. Hoffentlich gelingt es mir so, Dir etwas Übersicht zu verschaffen.

Frühling (21.03.-06.06.) – Leber und Gallenblase

ElementHolz
PsychischÄrger; Aggressionen, Reizbarkeit
FarbeBlau und Grün
GeruchEher ranzig oder verdorben
AllgemeinErbrechen von Futter
 Grünlicher Ausfluss an den Augen oder Genitalien
 Kopfschmerzen
Haut und HaarLeckekzeme
 Brüchige Krallen
 Geschwülste und Schwellungen
BewegungsapparatSchmerzen im oberen Rücken, unter den Vorderbeinen, an den Seiten der Brust und an den Schenkeln
 Zittern und Zuckungen in den Beinen bis hin zu Lähmungen
 Alle Probleme an den Hinterläufen einschließlich HD
 Alle Bänder- oder Sehnenverletzungen seien mit der Gallenblase assoziiert
 Alle Muskelverletzungen seien mit der Leber assoziiert

Im Frühjahr dreht sich alles um Wachstum, um Neubeginn. Hier wären Probleme in der Jugend und im Wachstum ein Hinweis. In meinem Rudel würde ich zum Beispiel Enki hinsichtlich Leber und Galle im Blick behalten wollen, da er Probleme mit der Hüfte hat und die Wachstumsphase gestört war. Als er zu uns kam, hatte er eine Verstauchung oder Bänderüberdehnung im Vorderlauf. Da das allerdings nicht aus ihm heraus, sondern durch Außenumstände bedingt war, weiß ich nicht, in wie weit das zählt.

Sommer (21.06.-09.09.) –  Herz und Dünndarm

ElementFeuer
PsychischFröhlichkeit aber auch Hektik und Übereifer
FarbeRot
GeruchNach Verbranntem
AllgemeinSchnelle Überhitzung; alles verschlechtert sich an heißen Tagen
 Probleme des Blutkreislaufs und dem Herzen
 Hecheln und flache schnelle Atmung
 Generelle Schwäche
Haut und HaarRote juckende Haut, Hot Spots
 Übermäßiges Haaren
 Haut verfärbt sich in den Achselhöhlen und am Bauch schwarz
BewegungsapparatSchmerz an der Mitte der Vorderläufe mit konstantem Lecken
 Probleme, Treppen zu steigen, humpeln
 Schmerzende Stellen an den Außenseiten der Vorderläufe und an der Schulter, humpeln an den Vorderläufen
 Schwierigkeiten nach längerem Liegen aufzustehen
InneresTaubheit
 Schmerz in der Magengrube oder der Herzregion
 Trockener Hals und blutendes Zahnfleisch
 Flüssigkeiten sammeln sich an, fließen nicht ab
 Allergien, die immer zur gleichen Zeit auftauchen
 Aufgeblähter Bauch

Verständnis, Miteinander und Freundlichkeit gehören zu den dem Sommer zugeordneten Emotionen. Ich könnte mir daher vorstellen, dass eine übermäßige Ressourcenverteidigung vielleicht auch auf eine Störung der Sommerenergie deuten könnte. Ansonsten denke ich hier an Luna. Nicht, weil sie eines der genannten Symptome hätte. Sondern weil sie für mich irgendwie zum Sommer passt. Sie passt zu der Beschreibung Fröhlichkeit aber auch Übereifer und sie mag keine heißen Tage. Da hechelt sie und hat wenig Lust auf Bewegung.

Dreifacher Erwärmer und Perikard – ebenfalls Sommer (21.06.-09.09.)

Der Dreifacher Erwärme ist kein anatomisches Gebilde, sondern eine funktionelle Einheit,
die ebenfalls dem Sommer zugeordnet wurde
PsychischAufgeregt, argwöhnisch
Haut und HaarÖdemen
 Anschwellen der Achselhöhlen
 Pfotenunterseite wird gebissen
 Krallen wachsen schneller
 Leckekzeme an den Vorderläufen
BewegungsapparatHumpeln und Schmerzen in den Vorderläufen und den Schultergelenken
 In Kreisen laufen, zittern, schlechtes Gleichgewicht
 Kopf neigt sich zur Seite, Schwindel, schwanken
InneresSchilddrüse und allgemein hormonellen Fehlfunktionen
 Problemen die Blase zu entleeren
 Ohrenschmerzen, blutendes Zahnfleisch

Paulas Anfall, das Vestibulärsyndrom, passt zeitlich und von den oben genannten Symptomen genau zu Problematiken des dreifachen Erwärmers. Mal schauen, ob es ab Mitte September besser wird.

Da es beim Vestibulärsyndrom immer wieder zu Rezidiven kommen kann, habe ich die Idee, ihr nächsten Sommer schon mal prophylaktisch Ginseng, Ginko und B-Vitamine zu geben.

Fünf Elemente beim Hund

Herbst (09.09.-07.12.) – Lunge und Dickdarm

ElementMetall
PsychischTraurigkeit, Depression, Niedergeschlagenheit
FarbeWeiß
GeruchWiderlich, ekelerregend
AllgemeinAlles ist schlechter an trockenen Tagen, mit trockener Hitze (zum Beispiel Ofenhitze oder Fön)
 Konstantes Jucken ohne Parasiten
Haut und HaarAlle Arten Hautprobleme
 Kahle Stellen oder trockenes, stumpfes Fell
BewegungsapparatWirbelsäulendeformitäten
 Verknöcherung der Wirbelsäule oder spinale Degeneration der Wirbelsäule bei alten Hunden
 Verknöcherung der Wirbelsäule oder spinale Degeneration der Wirbelsäule bei alten Hunden
 Probleme beim Hinlegen, langes Kreise ziehen, bevor der Hund sich hinlegt
 Probleme beim Aufstehen und den Kopf höher als Schulterniveau zu heben
InneresWeißer Ausfluss aus den Augen oder der Nase
 Schluckauf und Rückwärtsniesen
 Aufgeblähtheit im Dickdarm
 Würmer, Verstopfung oder Durchfall
 Trockener Hals mit rauem Bellen
 Probleme beim Atmen, jammern und jaulen
 Inhalationsallergien, tropfende Nase

Die Beschreibung der Herbstsymptome erscheinen mir sehr wie Alterssymptome. Das würde ja auch zum symbolischen Herbst passen. Daher denke ich, das gerade hier Teilnahme am Leben, Integration und Förderung, mit zum Beispiel Intelligenzspielzeugen, gut helfen kann. Zumindest, was die beschriebene psychische Grundstimmung angeht.

Winter (22.12.-6.03.) – Blase und Niere

ElementWasser
PsychischAngst und Nervosität, können nicht ruhig stehen; Angst allein zu bleiben.
 Nervosität und Panikattacken
 Unfähigkeit Gelerntes zu behalten
Farbeschwarz
GeruchVerrottet und salziger Geschmack
AllgemeinAssoziiert mit den Ohren, dem Anus und der Harnröhre
 Niere und Blase kontrollieren die Knochen, das Knochenmark und das Gehirn
 Nieren sind verantwortlich für Wachstum, Skelettentwicklung, die Fortpflanzungsorgane und sie kontrollieren die Körperflüssigkeiten
 Zu wenig oder zu viel Flüssigkeit in den folgenden Bereichen: Lymphknoten, Blut, Speichel, Milch, Ödeme, zu viel oder zu wenig urinieren
Haut und HaarGeschwollene Tränensäcke
BewegungsapparatSchmerzen im hinteren Rücken, Mitte der Schenkel
 Schwäche der Hinterläufe
 Zurückscheuen vor Händen in der Nähe der Ohren oder dem hinteren Rücken
 Schütteln des Kopfes oder eine Gesichtsseite am Teppich rubbeln und scheuern
 Extremes Rollen auf dem Rücken
 Sehr langsames Kratzen der Ohren mit viel Stöhnen und Grunzen dabei
InneresTaubheit oder Geräuschempfindlichkeit
 Schwarze Absonderungen aus den Ohren und Augen
 Chronische Blasenentzündung
 Blasen- oder Nierensteine
 Inkontinenz, besonders bei alten Hunden
 Magenschmerzen, Trockenheit mit Durst, unfähig, essen voll zu verdauen
 Probleme an den Genitalien, dem Anus oder der Harnröhre
 Krankheiten des Mundes, des Zahnfleischs und der Zähne inklusive abgebrochener Zähne, starker Zahnbelag

Ich habe Dir ja schon am Anfang beschrieben, wie viele der Symptome tatsächlich auf Jamie passten. Aber auch zu meinem Kater, der immer wieder Blasensteine hatte, passen einige Symptome und Eigenheiten. Daher werde ich bei ihm mal verstärkt darauf achten, ob diese Symptome wiederauftauchen. Außerdem bekommt er zukünftig den Winter über harntreibende Kräuter. Das findet er immer so unglaublich lecker. J

Zwischen den Jahreszeiten 07.03.-20.03. 07.06.-20.06. 08.09.-21.09. 08.12.-21.12. Magen, Milz und Bauchspeicheldrüse

ElementErde
PsychischSympathie und Toleranz
 Ein trauriger Ausdruck
 Unsicherheit, Fehlen der Balance, Nervosität, braucht Aufmerksamkeit, hyperaktiv, Fixierung auf Objekte oder andere Hunde
Farbegelb
Geruchsüßlich
AllgemeinAlles verschlechtert sich bei schwülem feuchten Wetter
 Schwierigkeiten, zuzunehmen oder Übergewicht
Haut und HaarFell fällt in Büscheln aus
BewegungsapparatSchmerzen oder Humpeln der Hinterläufe
InneresBrennendes Gefühl im Magen und starker Hunger
 Blähungen
 Zahnfleischbluten, schlechter Atem begleitet von Verstopfung
 Gastritis
 Aufgeblähtes Abdomen, Ödeme
 Gelbes Erbrechen (besonders zwischen 7 und 9 Uhr morgens)
 Erbrechen direkt nach dem Essen
 Gelber Ausfluss aus den Augen oder Genitalien
 Während der Läufigkeit: übermäßiges Bluten, Läufigkeit kommt gar nicht, Unfruchtbarkeit
 Schmerzen im Bereich des Mundes und der Zunge, dreckige Zähne, faul riechender Atem, Zahnfleischbluten
 Zu viel oder zu wenig Speichel
 Ein hohes schrilles Bellen und ein süßlicher Geruch der haut

Alle drei Monate fließt die Energie, die in den großen Organen war, zurück durch das Element Erde, um erneuert zu werden. Daher sieht man auch mit dem Element Erde assoziierte Probleme häufiger über das Jahr verteilt als andere Probleme.

Bitte höre jetzt nicht die Flöhe husten und leg nicht jedes Symptom auf die Goldwaage. Aber wenn Dir Eigenheiten deines Hundes auffallen, schau doch mal, ob Du sie einer Jahreszeit zuordnen kannst. Die entsprechenden Organe würde ich dann genauer beobachten, da die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass dein Hund hier erkrankt.

Hätte ich Jamies Eigenheiten vorher der Niere zugeordnet, dann hätte ich wohl regelmäßig seine Nierenwerte überprüfen lassen und schon weit früher eine Idee gehabt, dass sie nicht richtig funktionieren.

Aber ob das was geändert hätte, weiß ich nicht. Ich glaube, wir können weder den Tod noch das Schicksal betrügen. Und mit dem Gefühl ich hätte seinen Tod verhindern können, möchte ich einfach nicht leben. Aber natürlich werde ich bei meinen anderen Tieren aufmerksamer hinschauen.

Herzlichst,

Canis Vivus - TCM und 5 Elemente beim Hund